... bald ist Nikolausabend da!

Bild des Benutzers Nicola Rössert

Foto: Karl-Michael Soemer / pixelio.de

Lasst uns froh und munter sein. Und uns recht von Herzen freun. Lustig, lustig, tralalala, bald ist Nikolausabend da. Und da der Heilige Nikolaus mein Namenspatron ist (und übrigens auch der von meinem Kollegen Miklós), wollte ich wissen, ob er mit der Zeit geht und auch schon in den sozialen Netzwerken präsent ist.
Um es gleich einmal vorweg zu nehmen, er ist. Und zwar vielfach. So oft, dass man gar nicht weiß, wer eigentlich der Echte ist? Der wirklich Echte, Ihr wisst schon.

Bei Facebook. Ist der echte Sankt Nikolaus der, der sich im Sommerurlaub gerne am Palmenstrand tummelt, einen Faible für heiße Schlitten hat und das Musical "How to Succeed in Business Without Really Trying" mag? Oder ist es der Heilige Nikolaus aus Peißenberg, der sich darauf freut, endlich mit seinem vollbeladenen Motorroller loszubrausen. - Hoffentlich macht das Glatteis ihm keinen Strich durch die Rechnung. Außerdem scheint der Peißenberger etwas an Einsamkeit oder Personalmangel zu leiden und hat eine Kontaktanzeige aufgegeben, mit der er nach einem blonden Engel für nicht ganz stille Nächte sucht. Hm.

Der Heilige Nikolaus aus Tirol hat immerhin eine Mitra auf und sieht auch sonst aus, wie man sich den Nikolaus so vorstellt. Außerdem hat er in seinem Profil seine Vita hinterlegt, die sehr authentisch wirkt. Diverse Fotos belegen seine Arbeitseinsätze in Tirol. Umgeben von vielen süßen Engeln. Und wenn er in seiner Freizeit nicht gerade auf Reha in Münster (Tirol) ist, besucht dieser Nikolaus, gerne auch mal einen Pub, um den einen oder anderen seiner 561 Freunde zu treffen. Geboren wurde dieser Nikolaus am 19. September 2010. Das erscheint mir doch ein wenig jung für einen echten Nikolaus?

Noch jünger ist ein anderer Heiliger Nikolaus, der erst im November geboren wurde und sich als Dienstleister anbietet. Immerhin hat er sein Handwerk bei der Nikolaus-Schule in Köln gelernt.

Naja, dann gibt es bei Facebook noch die Seite vom Nikolaus von Myra. Dem historisch Echten. Der gefällt 7240 Personen. Aber da stehen nur so Fakten. Kommunikation mit der Bezugsgruppe - wie es sich gehört - findet hier gar nicht statt. Hm. So richtig fündig bin ich noch nicht geworden. Schade eigentlich.

Immerhin setzt sich die Seite Vorfahrt-fuer-den-Nikolaus dafür ein, "die Unterschiede zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann aufzeigen, den fairen Handel betonen und Anstoß zu geben, das eigenen Konsumverhalten in der Adventszeit und in Bezug auf Weihnachtsgeschenke kritisch zu betrachten."

Dann linse ich eben doch mal heimlich unter Santa Claus nach, obwohl das ja nicht der Echte ist, sondern die Erfindung eines amerikanischen Limonadenherstellers, der den Nikolaus optisch und farblich an seinen rot-weißen Look anpasste. Wegen der CI (Corporate Identity). HoHoHo.
Eins kann man in jedem Fall sagen. Die Amis haben das mit Facebook wesentlich besser drauf, sind ziemlich gut vernetzt, kommunizieren mit ihren Fans, erzählen Geschichten. Reflektieren über Gott. Über Dankbarkeit. Sprechen Menschen Mut zu. Und haben Tausende von GefälltMir-Angaben.

Auf einer eigenen Website kann man sich Fotos von Santas Haus, wo er mit Mrs. Claus, den Elfen und dem Rentier lebt, anschauen und bis zum 15. Dezember sogar per Kontaktformular seine Wünsche mailen.

Am liebsten hätte ich an einen geglaubt, den ich 2012 gefunden habe, als ich mich erstmalig auf die Suche gemacht hatte: Einen Santa Claus, der am arktischen Nordpol lebt, 57.569 Likes hat und dessen Tipps zum Weihnachtsfest sich großer Beliebtheit erfreuen. Weihnachtsfest? Achja, der Nikolaus kommt bei uns ja morgen und nicht an Weihnachten. Hm. Außerdem spricht dieser Santa Spanisch, hatte bis letztes Jahr noch eine Briefkastenfirma in Mexico-City und war mit den Heiligen Drei Königen von Mexico befreundet. Trotzdem hat es mir gefallen, wie dieser Latino-Arktiker sein Facebook-Account benutzt, um von seinem Alltag zu berichten, Fotos von seinen Rentieren zu posten, Ratschläge für das Fest in der Familie zu geben und seine Freunde zu befragen, wie sie ihm gerne bei seinen vielen Aufgaben helfen würden. (Die meisten würden natürlich am liebsten beim Süßigkeitenherstellen helfen. Mir würde es am meisten Spaß machen, mich um die Rentiere zu kümmern oder mit Santa Schlitten zu fahren.) Und wenn er mal nicht weiß, wie er diese Ponys als Geschenk verpacken soll, die sich alle Kids wünschen, dann fragt er seine Fans, wie man die guten Tiere beruhigt.
Aber seit neuestem hat er nun diese App. Die haben angeblich seine Elfen für ihn entwickelt, damit die Kinder ihm ihre Wünsche zum Weihnachtsfest als "Carta Express" schicken können, ohne Papier zu verschwenden. Und diese App fragt jetzt sehr viele Daten ab, die für einen Wunschzettel eigentlich gar nicht gebraucht werden. Und man erfährt überhaupt nicht, was mit diesen Daten eigentlich passiert. Ärgerlich. Das Ganze war also offensichtlich doch wieder nur so ein doofer Marketing-Trick.

Da ich den echten Heiligen Nikolaus bei Facebook offensichtlich nicht gefunden habe, schaue ich nun doch mal, ob ich bei Twitter fündig werde.

Schwierig. Nicht nur, weil Nikolaus doch ein überraschend beliebter Vorname ist. Es gibt auch diverse Kirchengemeinden, die so heißen und twittern. (Obwohl ich es natürlich gut finde, wenn Kirchengemeinden twittern!) Dann habe ich tatsächlich den @stnikolaus gefunden. Der hat aber nur einen einzigen Tweet geschrieben. Und das war 2009, als für eine Weihnachtsfeier in Linz am Rhein ein Nikolaus gesucht (und vermutlich nicht gefunden) wurde. @StNicolaus hat 6 Tweets geschrieben und sich im Januar 2011 in den Jahresurlaub verabschiedet, aus dem er nie zurückgekehrt ist. Der @st_nikolaus hat ein geschütztes Account. 0 Tweets. 0 Follower. 0 Following. Kein Profilbild. Der Nikolaus ein Egghead? Schade! Auch Nikolaus @_Weihnachtsmann ("Am Nordpol in seinem Werkstatt machen der Weihnachtsmann und seine Zwerge unsere Weihnachtskarten") aus Rovaniemi in Lappland ist seit 2009 verstummt, scheint aber bis dahin ein reges Interesse an Mojitos und Snowhites gehabt zu haben.

Ansonsten? Jede Menge Weihnachtsmänner die für die Geschenkeportale von Tchibo & Co. unterwegs sind oder waren. Schade und irgendwie auch ein bisschen traurig.

Oder auch nicht. Womöglich ist es ja besser, dass unser Namenspatron sich rar macht und sein Geheimnis bewahrt? Kling, Glöckchen, klingelingeling? Vielleicht liest der echte Heilige Nikolaus ja meinen Blogbeitrag und ich finde morgen früh statt Apfel, Nuss und Mandelkern in meinem Stiefel eine nette persönliche Nachricht über Facebook oder Twitter von ihm? Also summe ich schon mal ganz leise "Wenn ich schlaf, dann träume ich, jetzt bringt Nik'laus was für mich. Lustig, lustig, traleralera!" Wer weiß? Ich glaube jetzt einfach mal daran!

Letztes Jahr im September hat übrigens ein Berliner Vollzeit-Nikolaus namens Christmas Michi die Facebooksite von Vernetzte Kirche gelikt. - Trotzdem nix mit Apfel, Nus und Mandelkern. Leider hat sich meine Hoffnung bisher weiterhin als trügerisch erwiesen. Oder doch nicht?  Jetzt schau ich gleich mal, ober vielleicht bei diesem neuen, diesem ello oder so ist? Oder vielleicht muss ich doch noch ein Account bei Whatsapp eröffnen, wogegen ich mich bisher gesperrt habe?
Alle Jahr wieder. Und nein, ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass mich Nikolaus irgendwann doch noch überrascht.... Am Schönsten wäre es natürlich im Real Life, im echten Leben.

Bis dahin wünsche ich Ihnen allen einen schönen Nikolausabend!

Notiz: Der Beitrag erschien erstmals am 5. Dezember 2012. Die Autorin hat ihn aktualisiert und ihre Suche nach dem echten Nikolaus weiterhin nicht aufgegeben.