Digitales Testament

Bild des Benutzers Amelie Tautor

Soziale Netzwerke, wie Facebook, Twitter oder Google+ bieten die Möglichkeit mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben, auch wenn man sich nicht täglich sehen kann. Doch was passiert mit dem Benutzerkonto, wenn ein Mensch stirbt?

Facebook

Bei Facebook gibt es die Möglichkeit, das Konto eines verstorbenen Nutzers in den Gedenkzustand versetzen zu lassen. Den Antrag kann jeder Facebooknutzer stellen, ein Link zur Todesanzeige oder etwas Ähnlichem muss angefügt werden. Das Konto kann dann nur noch von bereits bestätigten Freunden eingesehen werden. Sie können weiterhin private Nachrichten an den Verstorbenen schicken und – je nach Einstellung – Erinnerungen in der Chronik teilen. Die Inhalte des Verstorbenen bleiben weiterhin sichtbar.
Um die Privatsphäre des Verstorbenen zu schützen gibt Facebook die Anmeldeinformationen für das Konto nicht weiter, auch nicht an Angehörige.
Unmittelbare Familienangehörige können bei Facebook einen Antrag auf Löschung des Kontos stellen. Die Chronik und alle zugehörigen Informationen werden dann „vollständig von Facebook entfernt, damit sie niemand sehen kann“, so das Unternehmen. Dazu verlangt Facebook einen rechtsgültigen Nachweis, dass der Antragssteller ein unmittelbarer Familienangehöriger oder rechtlicher Vertreter ist.
Die Daten des Verstorbenen löscht Facebook allerdings nicht. Gelöscht wird nur die Maske, mit der Dritte die Inhalte einsehen konnten. An Daten, wie Fotos oder Videos behält das Unternehmen auch nach dem Tod des Nutzers die Rechte, um diese beispielsweise zu Werbezwecken nutzen zu können.

Twitter

Wie Facebook gewährt auch Twitter niemandem Zugriff auf das Konto eines Verstorbenen. Angehörige können aber die Deaktivierung eines Kontos beantragen. Dazu müssen sie die Sterbeurkunde vorlegen und nachweisen, dass sie unmittelbare Familienangehörige oder entsprechend Bevollmächtigte sind. Twitter deaktiviert das Konto des Verstorbenen dann und löscht es mit allen Daten nach 30 Tagen.
Anders als Facebook deaktiviert Twitter Konten, in die sich länger als 6 Monate niemand mehr eingeloggt hat automatisch und behält es sich vor diese dann auch zu löschen.

Google

Google bietet seinen Kunden an selbst festzulegen, wann das Konto gelöscht werden soll. Im Kontoinaktivitäts-Manager (zu finden unter der Rubrik Konto) lässt sich ein Zeitraum zwischen drei und 18 Monaten festlegen, nach dem das Konto deaktiviert wird. Der Nutzer wird per SMS über diesen Vorgang informiert. Es ist auch möglich einen Text einzugeben, der alle eingehenden Nachrichten beantwortet. Wenn gewünscht, werden dann das Google-Konto und alle dazu gehörigen Daten gelöscht. Dieses Angebot hat den Vorteil, dass der Nutzer noch zu Lebzeiten bestimmen kann, was mit seinem Konto geschieht. Die Angehörigen müssen sich um nichts mehr kümmern.
Falls der Netzer den Kontoinaktivitäts-Manager nicht genutzt hat, wird es schwieriger. Google erklärt, das Unternehmen könne autorisierten Vertretern des Verstorbenen Zugang zum Gmail-Konto gewähren, „eine Entscheidung über die Bereitstellung der Inhalte einer verstorbenen Person erfolgt erst nach sorgfältiger Prüfung.“ Der Antrag unterliege einem langwierigen, mehrstufigen Bearbeitungsverfahren. Google verlangt unter anderem eine Sterbeurkunde auf Englisch und eine Mail, die der Verstorbene von seinem Gmail-Konto an den Antragssteller gesendet hat. Im zweiten Teil des Verfahrens ist dann noch die Anordnung eines US-Gerichts nötig. Während dieser Zeit bleibt das Konto bestehen. Ob mit diesem Verfahren nur Zugriff auf die Mails gewährt wird oder auch auf die Daten der anderen Google-Dienste, wie Google+, lässt sich nicht sagen.

Digitale Bestatter und Offline-Variante

Mittlerweile gibt es sogar Firmen, die sich auf die digitale Bestattung spezialisiert haben. Bei Anbietern wie Deathswitch und Legacy Locker kann man zu Lebzeiten seine Passwörter deponieren und Kontakte von Personen angeben, die die Passwörter im Todesfall bekommen sollen. Legacy Locker verlangt dafür die Sterbeurkunde; Deathswitch versendet eine Nachricht an die angegebenen Hinterbliebenen, wenn der Nutzer sich längere Zeit nicht mehr eingeloggt hat.
Die wohl einfachste Variante ist es jedoch, sein digitales Testament noch zu Lebzeiten offline zu regeln und den Angehörigen die Zugangsdaten für alle Web-Konten auf einem Zettel zu hinterlassen. Sinnvoll ist es sicher auch,den Angehörigen auf diesem Weg mitzuteilen, was mit den Konten der sozialen Netzwerke passieren soll: ob die Facebook-Seite beispielsweise in den Gedenkmodus gesetzt werden oder ganz gelöscht werden soll oder ob es eine letzte Mail, einen letzten Post oder Tweet im Namen des Verstorbenen geben soll.

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