Windows 8 - Ein erster Eindruck und Tipps zum Umstieg

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Was ist neu?

Seit einigen Wochen ist es da: Windows 8 – das neue Betriebssystem des Weltmarktführers Microsoft. Zwar hat Microsoft mit Windows 7 einen Bestseller gelandet, gleichwohl ist der Konzern bei weiter erstarkender Konkurrenz unter Druck, ein innovatives und stabiles System anzubieten.

Windows 8 bricht in der Tat mit manchen lang gedienten Standards: Das Start-Feld, das mit Windows 95 das Licht der Welt erblickte und das später eine eigene Taste bekam, existiert in dieser Form nicht mehr. Der entsprechende Button auf dem Desktop fehlt. Bei genauerer Betrachtung gibt es das Start-Feld allerdings noch: Die neue Metro-Oberfläche ist eigentlich ein erweitertes Startmenü, das mit Live-Kacheln nun auf den ersten Blick wichtige Infos bietet.

Die Einführung der Metro-Oberfläche ist auf dem PC nett, soll aber vor allem dafür sorgen, dass Windows auch auf dem Tablet-Markt landen kann. Deswegen gibt es nun auch die allgegenwärtigen Apps im eigenen Appstore für Windows 8. Dass manche Dinge der Bedienung auf Tablets ausgerichtet sind, merkt man an einer etwas zerfaserten Menüstruktur. Diese bräuchte es auf dem PC nicht und sie ist hier eher mühsam zu bedienen. Das Wischen, das z.B. in den Vollbild-Apps wichtig ist, gelingt am PC oft nicht so präzise wie auf dem Tablet. Touchpads sind diesbezüglich den Mäusen etwas überlegen, da sie die Gesten unterstützen. - Mein Touchpad ist allerdings weit weg von der angenehmen Gestensteuerung guter Tablets.

Weitere Neuerungen neben dem Metro-Kachel-Design sind der Virenscanner, der jetzt ab Werk im Defender integriert ist, der Internet Explorer (IE) 10, der obligatorische Microsoft-Account für den App-Store und ein angenehm flotter Systemstart.

Bedienung

Innovation und Kuhfuß von Win8 ist beim Umstieg die Bedienung. Deswegen hier ein paar Tipps zur Handhabung des neuen Win8:

  • Wischen von rechts lässt ein Menü erscheinen, das schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen erlaubt.
  • Im Desktop links unten klicken oder Start-Taste drücken führt einen zurück zur Metro-Oberfläche.
  • Esc im Startmenü führt zurück zum Desktop zurück, wenn man in der Sitzung schon auf dem Desktop war.
  • Im Metro-Bereich einfach lostippen und schon ist man im Suchmodus für Apps oder Dokumente.
  • Rechtsklick ins Leere der Startseite für die Anzeige „Alle Apps“.
  • Klick rechts unten im Metro-Menü für gezoomte Ansicht der Kacheln. So behält man aus der Vogelperspektive den Überblick, wenn man viele Kacheln hat.
  • Apps wirklich schließen gelingt mit ALT und F4. Ein x in der rechten oberen Ecke wie bei den Programmen gibt es bei den Apps nicht. Dies ist man vom Tablet gewöhnt. Beim PC – gerade wenn man auf Leistung setzt – stört, dass man so Ressourcen blockiert.
  • Wege zum Herunterfahren des PCs gibt es mehrere: Man kann den On-Off-Schalter oder den Klapp-Mechanismus des Notebooks so belegen, dass der Computer herunter fährt. Diese Einstellungen lassen sich unter >>Systemsteuerung>>Energieoptionen treffen. Oder ich klicke auf das Benutzerbildchen im Start-Menü, melde mich ab und fahre dann den PC runter. Oder ich wische von rechts und wähle im erscheinenden Menü „Einstellungen“. Dort gibt es wiederum den Punkt „Ein/Aus“. Oder – und jetzt kommt mein nostalgischer Favorit – ich drücke im Desktop-Bereich ALT und F4 und kann nach dem Ableben des Startmenüs wieder wie in ganz alten Zeiten per Tastenkürzel den schnellsten Weg zum Ausschalten finden.

„Schöne neue Welt“ und „aller Anfang ist schwer“ mischen sich bei Windows 8, besonders für Liebhaber der gewohnten Bedienung und für diejenigen, die die für Tablets angepasste Bedienung nicht von einem Tablet kennen. Trotzdem – so ging es mir auch – will man dann doch das neue OS (=operating system) haben, testen und irgendwann auch lieb gewinnen.

Upgrade auf Win8

Microsoft bietet das Upgrade im Download für knappe 30€ an. Das macht den Umstieg bezahlbar und somit noch interessanter. Doch auch bei der Installation gibt es unter Umständen noch ein paar Klippen zu meistern, für deren Umschiffung hier ein paar Lotsentipps zusammengefasst sind:

  • Vor jeder Veränderung des Betriebssystems unbedingt ein Backup anfertigen, damit keine wertvollen Daten verloren gehen. Hierbei auch an die Adressbücher, Lesezeichenlisten, spezielle Schriftarten, etc. denken.
  • Wenn möglich, vor dem Umstieg die Kompatibilität testen. Windows 8 braucht oft neue Treiber und es sind für viele auch noch recht junge Geräte keinen Windows8-Treiber verfügbar. Das macht den Umstieg nicht unmöglich aber womöglich etwas lästig. Mehr dazu in den nächsten Zeilen.
  • Erstmal gibt es bei Windows 8 für viele Gerätegruppen allgemeine Treiber, so kein an das Bauteil angepasstes Treiberpaket vorhanden ist. Damit geht viel, manche Funktionen fehlen aber dann. Bei mir betraf das den Netzwerk-, den Touchpad- und den ACPI-Treiber. Folge: Der Rechner lief, aber das Touchpad kannte die wichtigen Gesten nicht. Die ACPI-Funktionen standen nicht korrekt zur Verfügung und mit manchen Netzwerken war keine oder eine extrem schlechte Verbindung möglich. Das ist wirklich katastrophal, denn  heutzutage ist ein PC beinahe wertlos, wenn beim Breitband-Anschluss im Browser nur noch Modem-Feeling ankommt.
  • Was kann man also tun? Vor dem Upgrade penibel die Gerätenamen aus dem Gerätemanager "abschreiben" ist sicher das Beste. Ist das System neu aufgesetzt, kann man ansonsten nur mit Programmen wie SiSoft Sandra, oä. die Gerätenamen auslesen. Aber auch hier fehlt zum Teil die genaue Nummer und es kann ein Unterschied sein, ob man Netzwerkkarte xyz4667a oder xyz4667h hat.
    Mit der genauen Bezeichnung kann man auf den Herstellerseiten und mit Hilfe von Suchmaschinen nach Win8-Treibern fahnden, so der Hersteller von PC oder Notebook noch kein Gesamt-Treiberpaket für Win8 anbietet. Manches findet man so. Für manches gibt es einfach noch keine Treiber.
  • Dann bleibt entweder nur das Abwarten inklusive Tässchen Tee, während man über die eingeschränkte Funktionalität grummelt, oder man testet, ob die „alten Treiber“ auch unter Win8 funktionieren. Dies war bei mir für die Netzwerk-Probleme die einzige Lösung. Die Installation der Win7-Treiber verursachte zwar die Warnmeldung, dass der Treiber nicht für Win8 zertifiziert ist, aber immerhin funktioniert er. Insgesamt ist immer Vorsicht geboten bei solchen Versuchen: leidet ein Bauteil durch die Verwendung eines falschen Treibers Schaden, ist dies wohl die eigene Schuld.
  • Wenn das Gerät dann mit Hilfe alter Treiber funktioniert, kann man erheblich versöhnter darauf warten, dass die Hersteller endlich alle Treiber für Win8 zusammen haben. Unter >>Systemsteuerung>>Gerätemanager kann man mit einem Rechtsklick auf den entsprechenden Gerätenamen nach Aktualisierungen suchen. Aber Achtung! Wenn man alte, funktionierende Treiber verwendet, passiert es, dass Windows wegen des Datums den neueren, aber nicht funktionierenden Treiber bei der Aktualisierung wieder über die von Hand installierte "Mac-Gyver-Lösung" bügelt.
  • Und zu guter Letzt will uns Windows doch noch helfen, den Übertritt in die nächste Version nicht zu bereuen. Unter der Suchfunktion findet man die Einstellung „Programme ausführen, die für vorherige Versionen von Windows entwickelt wurden“, mit der man manche Kompatibilitätsprobleme gelöst bekommt.

Fazit

Windows 8 ist ein gutes System. Wenn es bereits auf dem Rechner installiert ist, wird die Bedienung ein bisschen Umgewöhnung erfordern, aber ansonsten gut funktionieren. Umsteiger können entweder eine komfortable Upgrade-Funktion erleben, oder sich ein paar graue Haare bei der Treibersuche wachsen lassen. Umso wichtiger ist die Vorbereitung: Entweder hilft ein Kompatibilitätstest oder man sollte wissen, wie die Bauteile bis hin zu den Systemkomponenten des Mainboards heißen, um bei der Treibersuche erfolgreich zu sein.

Kommentare

2

Vielen Dank für den Erfahrungsbericht. Nach der Lektüre werde ich bestimmt nicht auf Windows 8 umsteigen. Wenn mit Win7 die Kiste läuft, kein Tablet oder Smartphone vorhanden ist, auf dem ebenfalls Win8 läuft, wird der Mehrwert des Umstiegs nicht ersichtlich. Man bekommt aber eine Vorstellung davon, wie viel Zeit Sie damit verbracht haben, Win 8 auf Ihren Geräten zum Laufen zu bringen. Ein Bekannter wies mich auf ein weiteres Problem hin: Win8 "merkt" sich genau die Hardware, auf der installiert wurde. Wechseln Sie die Platte aus, oder ein anderes Bauteil, verweigert Win8 seinen Dienst.

HG Johannes Taig

Bild des Benutzers Johannes Keller

Inzwischen läuft mein Windows 8 wirklich gut. Wenn man mal den Systemstart in 15 Sekunden erlebt hat, dann ist das schon schön. Aber der Umstieg war in der Tat etwas mühsam. Wenn man sich für Systemkomponenten einzeln Treiber suchen muss, merkt man, dass "unter der Haube" wohl viel neu ist, dass so viel neu für Win8 angepasst werden muss. Ich habe schon einige Zeit gebraucht, um alle Treiber durch vollfunktionstüchtige Pakete gemischten Alters zu ersetzen, dabei würde ich mich da durchaus als versiert bezeichnen. Seit Win95 hab ich alle Systeme gut oder besser kennengelernt und teilweise als Systemadmin betreut.
Es muss aber auch gesagt sein, dass für viele Notebooks die Kompatibilität zertifiziert ist für einen leichten Umstieg. Oft gibt es komplette Systemupdates mit allen Treibern. Wenn man ein Gerät mit Win8 kauft, funktioniert auch alles sofort perfekt. Die Eindrücke sind also nicht im Optimalfall entstanden.
Viele Grüße