Das sollten Sie beim PC-Kauf beachten

Bild des Benutzers Johannes Keller

Der eigene Computer kommt in die Jahre. Die Platte ist voll. Das Betriebssystem ist nicht mehr aktuell. Viele Jahre mit vielen Updates bescheren den einen oder anderen Absturz. Neue Programme verrichten nur mit viel Muße ihren Dienst. Es muss etwas Neues her. Nur was?

Hier ein paar Tipps zu den großen Entscheidungen auf dem Weg zum aktuellen Computer:

Aufrüsten oder Neukauf
Früher war es recht beliebt, den veralteten PC mit ein paar neuen Teilen günstig wieder fit für die aktuellen Bedürfnisse zu machen. Richtig rund wird das oft nicht, außer man tauscht so viele Teile, bis man preislich schnell in die Regionen von einem neuen System kommt. Mit neuem Mainboard, Prozessor und Arbeitsspeicher kann man natürlich viel Performance gut machen. Es können aber entscheidende "Flaschenhälse" bleiben, so dass die neue Hardware ihr Potential gar nicht ausspielen kann, weil z.B. Grafikkarte oder Laufwerke ebenfalls veraltet sind. Mit zusätzlich neuer Festplatte, Grafikkarte und vielleicht noch einem neuen Betriebssystem bleibt vom Alten nicht mehr viel. Meine Empfehlung deswegen: Lieber ein günstiges Komplett-System erwerben und die alte Festplatte mit in den neuen PC stecken. Dann kann man auch flugs von einer auf die andere Platte backupen.

Neu- oder Gebrauchtkauf
Bei Autos ist ein Gebrauchtkauf ganz normal. Bei Elektronik und besonders bei Computern sieht es anders aus. Ein Fachmann kann einem Gebrauchtwagen abspüren, ob er gut gewartet und gut in Schuss ist. Ein heute einwandfrei funktionierender PC kann wiederum z.B. nach dem Versand defekt sein, - und wer trägt dann den Schaden? Elektronik funktioniert, bis sie kaputt ist und nur selten gibt es eindeutige Vorwarnungen. Wer einen alten Laptop als Reiseschreibmaschine sucht, der kann natürlich gebraucht kaufen, denn das wirtschaftliche Risiko ist überschaubar. Ansonsten würde ich nur gebraucht kaufen, wenn der Versand korrekt versichert ist und das Gerät noch Garantie durch den Hersteller oder den Verkäufer hat.

Eine Alternative sind vom Hersteller gewartete Geräte. Hier bekommt man ein vom Hersteller überholtes, aktuelles Gerät zu leicht verbilligten Preisen. Eine Garantie ist oft sogar in einer dem Neukauf vergleichbaren Länge vorhanden.

Windows - Apple - Linux
Beim Betriebssystem scheiden sich die Geister. Die Anhänger der verschiedenen Lager sind natürlich vom eigenen Produkt überzeugt. Gute Gründe gibt es für jede Plattform. Wer beim Neukauf die Plattform wechselt, der kann im Grunde nicht viel falsch machen, denn ob Windows 7, Apple Mountain Lion oder eine aktuelle Linux-Distribution wie Ubuntu - kein System ist mehr in einer speziellen Nische beheimatet. Alle normalen Anwendungen lassen sich also auch auf dem neuen System nutzen. Klar ist, dass man etwas Umgewöhnung braucht, denn die Bedienung ist - wenn auch ähnlich - doch unterschiedlich. Eine neuere Version des bisherigen Betriebssystemes fühlt sich schneller vertraut an als ein ganz anderes System. Am ehesten braucht man bei Linux ein bisschen Interesse fürs Tüfteln. Insgesamt ist die Wahl aber Geschmackssache.

Holzschnittartig kann man sagen: Windows ist benutzerfreundlich, am weitesten verbreitet und ausreichend sicher. Apple holt auf und hat den Vorteil, dass Soft- und Hardware optimal zusammen passen, da beides aus dem gleichen Haus kommt. Dazu ist Apple gerade schwer im Trend und sicherer als Windows. Der Preis ist allerdings im Schnitt auch etwas höher. Linux ist kostenlos erhältlich, bietet eine Unmenge an kostenlosen Programmen, besonders auch für ProgramiererInnen. Die Sicherheit ist sehr hoch. Die Bedienung ist (auch deswegen) manchmal etwas komplexer. Die Vorinstallation ist sehr einfach und der Umfang für Office und Internet sofort ausreichend.

Laptop oder Desktop
Ob Laptop oder Desktop hängt in erster Linie von der Nutzung ab. Soll der Computer auch mal mit in eine Sitzung, um das Protokoll gleich ins Reine zu schreiben? Wäre Film-Schauen oder Musik in der Bahn schön? Dann ist ein Laptop das Richtige. Wird der Computer ausschließlich daheim oder im Büro benötigt und die Leistung spielt eine große Rolle, dann sollte es ein Desktop sein. Denn auch wenn die Notebooks heute sehr viel leisten, die stärkeren Prozessoren gibt es für die Desktops, bei denen die Abwärme bei voller Leistung gehändelt werden kann.

Wenn es eigentlich egal ist, ob Desktop oder Laptop, dann rate ich zum Laptop: Um 500€ kriegt man gut Geräte, die für Office, Internet und leichte Bildbearbeitung ausreichen. Der Bildschirm ist gleich dabei. Auch einen WLan-Adapter findet man meist nur in Laptops. Man kann den Computer mal mitnehmen und entdeckt so vielleicht, wie praktisch das sein kann. Auch der Schreibtisch profitiert davon, wenn man den PC zusammenklappen und wegstellen kann.

Anwendungsgebiet
Vor dem Kauf sollte man genau analysieren, was der Computer heute und die nächsten 2-5 Jahren schaffen soll. Wenn es nur um Office und Internet geht, dann reicht ein einfaches System. Hier würde ich trotzdem das Einfachste meiden, denn meist muss man nur 50 oder 100€ mehr zahlen, um einen deutlich schnelleren Computer zu erhalten, der dann länger den Ansprüchen der Zeit genügt. Also beim Laptop lieber 499€ statt 399€ ausgeben und einen aktuellen (Mehrkern-)Prozessor wählen. Dazu auf jeden Fall einen 4GB Arbeitsspeicher oder mehr. Die Festplatten sind heute so preiswert, dass man sich kaum Gedanken machen muss. Meist sind auch bei den günstigen Systemen Platten größer als 300GB verbaut. Das ehemals so unerreichbare Terrabyte (= 1000GB) ist in der Mitteklasse heute Standard. Hier ist reichlich Platz für Fotos und auch Videos. Bei Laptops hängt die Bildschirmgröße von der Häufigkeit des Transportes ab. Wer ultra-mobil sein möchte, ist mit einem 18"-Notebook schlecht bedient. Gerade da die Laptops immer flacher und kleiner werden, sollte man aber vielleicht nicht das kleinst-mögliche Format wählen. Guter Mittelwert ist die Spanne von 13" bis 15". Hier ist man mobil, kann aber auch ergonomisch in Dokumenten und Tabellen arbeiten. Ein letzter Blick gilt dem Betriebssystem: hier sollten 64-bit angepeilt werden.

Wer mehr als Office und Internet vor hat, muss genau schauen, für was die Leistung nötig ist. Denn so preiswert die Einstiegs- und Mittelklasse ist, so deutlich steigen die Preise im leistungsstarken Bereich. Wer gerne mal spielt, der braucht für eine flüssige Darstellung eine gute Grafikkarte. Wer wiederum Bilder bearbeitet oder Videos konvertiert, der braucht Arbeitsspeicher und Prozessorleistung.

Peripheriegeräte
Beim Kalkulieren des Preises sollte man auch die weiteren Peripherigeräte mit ins Kalkül ziehen. Wer einen Desktop kauft, ist vielleicht auch im Begriff einen neuen Monitor zu kaufen. Inzwischen gibt es für gut 100€ ordentliche LED-Geräte. Ich empfehle eine Größe um 22". Größer ist nur sinnvoll, wenn der Betrachtungsabstand auch eher weit ist. Kleiner spart kaum Geld und verringert den Komfort.

Wer ein Notebook kauft und vielleicht mit dem Trackpad noch nicht persönlich bekannt ist, braucht eine Maus. Hier braucht man nichts besonderes: Eine ergonomische USB-Maus ist schon ab 15€ zu bekommen. Ich empfehle die solide Mittelklasse und würde eine Marken-Maus nehmen, die bei guter Qualität auch optimal von der Software unterstützt wird.

Bei einer Anschaffung ist vielleicht auch ein neuer Drucker im Gespräch. Hier sollte man genau schauen, was man drucken möchte. Bilder wirken vom Tintenstrahler satter und schöner, besonders auf Fotopapier. Ein solcher Fotodruck ist gleichzeitig meist relativ teuer. Ein Laser-Drucker ist optimal für Text und macht keine Probleme bei längeren Druck-Pausen, da ein Toner nicht eintrocknen kann. Die Druckkosten pro Seite sind nur entscheidend bei Viel-Druckern. Eine Preisfalle ist, dass die Toner und Druckpatronen beim Kauf oft kleiner sind als die Nachfüll-Kartuschen. Bei einem Laser kann z.B. der Toner 2500 Seiten halten. Bei Auslieferung ist aber nur ein Toner für 500 Seiten dabei. Da die Toner ins Geld gehen, ist dies auf den Kaufpreis anzurechnen. Hat das Konkurrenzmodell 1000 Seiten mehr im Köcher, dann lohnen sich die 10€ Aufpreis.

Geschafft!
Die wichtigsten Entscheidungen sind jetzt geschafft. Nun können die letzten Feinheiten geklärt werden. Aber in Anbetracht der heutigen Leistungsfähigkeit ist dies oft nicht mehr so entscheidend, wie man meinen möchte. Gutes Stöbern und viel Spaß bei Kauf und Nutzung! Mit einem aktuellen Gerät kann man Zeit und Ärger sparen. So rechnet sich die Ausgabe vielleicht schon bald.

Kommentare

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Sehr schöner Artikel und stimme dem ganzen auch zu!
Aber meiner Meinung nach wurde ein nicht minder wichtiger Teil außer Acht gelassen. Und zwar der Monitor. Es gibt so viele unterschiedliche Monitore, dass man in diesem Bereich leicht den Überblick verliert. Unterscheiden muss man natürlich je nach Anwendung, zB benötigt ein Gamer einen Monitor mit geringer Reaktionszeit und jemand der gerne Bilder oder Videos bearbeitet sollte darauf achten, dass der Monitor über ein IPS Panel verfügt, da dieses eine hohe Farbtreue hat. Wer sich dafür genauer interessiert kann ja mal in diesem Blog vorbeischauen: http://www.27zoll-monitor-test.de/
Gruß

Ein Monitor ist dringend notwendig und deshalb habe ich eine Seite ins Leben gerufen, die beim finden des perfekten Monitors hilft. http://monitor-kaufen.org/

Ich denke, dass der Monitor eine der wichtigsten Komponenten des Gesamtsystems ist. Heutzutage gibt es eine riesige Vielfalt an Modellen und man verliert gern den Überblick.
Derzeit sind curved Monitore im Kommen - zwar sind sie noch relativ teuer (im Vergleich zu non-curved Modellen) - doch sie bieten einige Vorteile.

Ich habe die wichtigsten Eigenschaften der gebogenen Monitore auf meiner Seite dargestellt:
http://curved-monitor-test.com/
Viele Grüße