Gutes Benehmen zählt auch bei Facebook

Bild des Benutzers Nicola Rössert

Foto: Nicola RössertSeit Anfang Oktober ist nun heraus, was Mark Zuckerberg mit dem von ihm angekündigten "historischen Meilenstein" meinte, um den es viele Spekulationen gab: Endlich ein Facebook-Smartphone? Ein Dislike-Button? Die Übernahme durch Apple? Oder etwa eine Partei in Österreich?
Nein, der historische Meilenstein ist, dass Facebook nun offiziell über 1 Milliarde aktive Nutzer hat!

Wäre Facebook ein Land, so sagt man, wäre es das bevölkerungsreichste Land nach China (1,35 Milliarden Einwohner) und Indien (1,22 Milliarden Einwohner). Und reist man in ferne Länder, so sollte man sich vorab damit beschäftigen, auf welche sozialen Spielregeln man in anderen Kulturen achten muss, um nicht in Fettnäpfchen zu stolpern. (In China etwa sollte man seinen Gastgebern keinesfalls Blumen als Gruß mitbringen, da diese dazu dienen, Verstorbene zu ehren. In Indien sollte auf Gastgeschenke wiederum ganz verzichtet werden, da dies schnell als Beleidigung aufgefasst werden kann. Andere Länder, andere Sitten.)

Im globalen Land des WorldWideWeb gilt das Regelwerk der Netiquette.

Ein Kunstwort, das sich aus Net (Netz) und Etikette zusammensetzt. „Etikette ist ein Verhaltensregelwerk, welches sich auf zeitgenössische traditionelle Normen beruft und das die Erwartungen an das Sozialverhalten innerhalb gewisser sozialer Kreise beschreibt.“ So zitiert die freie Enzyklopädie Wikipedia den Eintrag des Oxford English Dictionary unter Etiquette. Weiter heißt es: „Das Wort Etikette stammt ursprünglich von angehefteten Zetteln (frz. étiquette): Am französischen Königshof wurden Aufschreibzettel verwendet, auf denen die Rangfolge der am Hofe zugelassenen Personen notiert war, so überträgt sich der Ausdruck ‚Etikette‘ darauf, sich den Regeln am Hofe entsprechend 'anständig' zu betragen.“

„Menschliche Gemeinschaften entstehen aus Diskursen -- aus menschlichen Gesprächen über menschliche Anliegen,“ heißt es im sogenannten Cluetrain Manifest, in dem die vier Autoren Christopher Locke, David Weinberger, Rick Levine und Doc Searls bereits 1999 das Internet als einen Ort des Dialogs definierten.

Entsprechend ist das Ziel der Netiquette vor allem, die Kommunikation für die Beteiligten im Netz möglichst optimal zu gestalten.

Unternehmen entwickeln dazu oft sogenannte Guidelines, Leitfäden, in denen mehr oder weniger strikt festgelegt wird, wie das Unternehmen und seine Mitarbeiter im Internet - und vor allem in den sozialen Netzwerken - auftreten.  Guidelines sollten Dienstgebern wie Dienstnehmern idealerweise mittels Empfehlungen eine Orientierungshilfe geben und das Auftreten in den sozialen Medien erleichtern und sie möglichst nicht durch ein allzu strenges Regelwerk davon abschrecken.

Grundvoraussetzung sollte in jedem Falle sein, die sozialen Netzwerke entsprechend dem Cluetrain Manifest als Orte des Dialogs wahrzunehmen. Das heißt, die Kommunikation, die hier stattfindet ist keine Einbahnstraßenkommunikation. Alles weitere ergibt sich eigentlich daraus, weshalb viele Unternehmen betonen, dass sie in Sachen Netiquette im Wesentlichen auf den gesunden Menschenverstand ihrer Mitarbeiter vertrauen:

Denn natürlich sollten Sie grundsätzlich auf die Qualität Ihrer Äußerungen achten und Verantwortung dafür übernehmen. Einen höflichen Umgangston pflegen. Dass man niemanden beleidigt oder provoziert, ist Ehrensache. Falls jemand (berechtigte) Kritik an Ihnen üben sollte, gehen Sie offen und sachlich damit um. Transparenz zählt. Gehen Sie verantwortlich auch mit Daten um. Geheimes bleibt geheim und Quellen werden angegeben. Und haben Sie bei aller Verantwortung trotzdem den Mut, Sie selbst und authentisch zu sein. Und auch ein Augenzwinkern kann nicht schaden, wie selbst die Deutsche Bischofskonferenz erkennt: "Die neuen Kommunikationskanäle sind nicht einseitig, sondern lassen bewusst den Dialog in beide Richtungen zu. Humor und Lebensfreude dürfen dabei nicht zu kurz kommen, wobei zweideutige und missverständliche Aussagen ebenso vermieden werden sollten wie die Beteiligung an Spekulationen und Gerüchten."

Hier nochmal in Stichworten zusammengefasst, worauf Sie im Web2.0 besonders achten sollten:

•Interaktivität – keine Einbahnstraßenkommunikation!
•Qualität – relevante Inhalte!
•Ehrlichkeit – auch: Quellenangaben!
•Transparenz - Berichtigen Sie eigene Fehler & gehen Sie offen & sachlich auf Kritik ein!
•Höflichkeit – keine Provokationen & Beleidigungen!
•Seien Sie auch als Privatperson professionell!
•Authentizität – Seien Sie Sie selbst!
•Achten Sie auf Gesetz & Datenschutz & Urheberrecht!
•Vertraulichkeit – Geheimes bleibt geheim!

Alles klar? Dürfte ja eigentlich auch gar nicht so schwer sein, und es zeigt sich mal wieder, dass das "virtuelle" Leben im Netz eigentlich ja auch gar nicht soviel anders funktioniert als das "richtige" Leben. Denn hier wie dort sind Sie ja immer noch Sie selbst, oder? Und was sich gehört, das wissen Sie.
Und falls Sie einmal gar nicht wissen, wie Sie reagieren sollen, finden Sie in diesem Diagramm vielleicht eine Antwort:
http://karrierebibel.de/troll-dich-das-social-media-reaktions-flussdiagramm/

Nachtrag vom 11.10.12: Und hier noch ein gutes Beispiel aus der Praxis.

Guidelines:
Caritas

Rotes Kreuz

Daimler
Deutsche Bischofskonferenz

Und wer mehr über die Kulturgeschichte der Manieren im "richtigen" Leben erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch von Asfa-Wossen Asserate: Manieren, Frankfurt 2003. Hier erfährt man übrigens auch im Detail die Haken, die das Verschenken von Blumen im guten alten Europa haben kann....

PS:    Bei Bloggern zu mopsen, gehört übrigens auch nicht zur Netiquette: Auch wenn die Nachricht selbst nicht weltbewegend ist, Nachrichtenagenturen und Online-Redaktionen sollten im Netz nicht mopsen. Eine Quelle sollte immer genannt werden, auch wenn diese nur ein „kleiner Blog“ ist. Was passieren kann, wenn man sich nicht daran hält, kann man hier nachlesen:
Die Nachricht: http://hrbruns.de/blog/aus-10-cent-werden-fast-2-euro-der-usb-stick-wird-richtig-teuer/
Die Reaktionen:  http://ichsagmal.com/2012/05/25/liebwerteste-welt-gichtlinge-labert-nicht-mehr-ubers-urheberrecht-zitiert-auch-blogs-als-quelle-gema-story/
https://www.facebook.com/talkaboutpr/posts/239580929484352?notif_t=comment_mention

http://hrbruns.de/blog/ein-blog-und-seine-wirkung/

So geht’s auch: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/usb-sticks-werden-teurer-a-835038.html